Gehirnnerven

Der 9. Hirnnerv - Nervus glossopharyngeus

Der Nervus glossopharyngeus (IX. Hirnnerv, Zungen-Rachen-Nerv) versorgt das hintere Drittel der Zunge, den Rachen und die Ohrspeicheldrüse. Außerdem meldet er Blutdruck und Blutgase aus dem Sinus caroticus und Glomus caroticum an das Gehirn.

Zuletzt aktualisiert am 2. Oktober 2026

Steckbrief: Nervus glossopharyngeus

Nummer
IX. Hirnnerv (9. Hirnnerv)
Deutscher Name
Zungen-Rachen-Nerv
Faserqualität
gemischt: motorisch, parasympathisch, sensorisch (Geschmack), sensibel
Kerngebiet
Nucleus ambiguus, Nucleus salivatorius inferior, Nucleus tractus solitarii
Austritt am Gehirn
Sulcus retroolivaris der Medulla oblongata
Durchtritt Schädelbasis
Foramen jugulare
Versorgt
M. stylopharyngeus, Pharynxmuskulatur (mit N. X), Gl. parotidea, hinteres Zungendrittel, Rachen, Paukenhöhle, Sinus und Glomus caroticum
Ausfallzeichen
abgeschwächter Würgereflex, Geschmacks- und Sensibilitätsstörung hinten an der Zunge
Klinische Prüfung
Würgereflex, Gaumensegelhebung, Schlucken

Verlauf und Funktion

Der Nervus glossopharyngeus tritt zusammen mit den Nerven N. vagus und N. acesorius durch das Foramen jugulare. Vor dem Durchtritt befindet sich das Ganglion superior, danach das Ganglion inferior.

Am unteren Ganglion entspringt der Nervus tympanicus, welcher mit Fasern des Nervus facialis den Plexus tympanicus bildet. Dort zweigt beispielsweise der Nervus petrosus minor ab.

Weitere Aufgaben des Nervus glossopharyngeus sind die Versorgung der Rezeptoren im Glomus caroticum (Chemorezeptoren) und Sinus caroticus (Presso-/Barorezeptoren). Außerdem werden die Mandeln von ihm innerviert. Sowohl sensorisch als auch sensibel versorgt er außerdem das hintere Zungendrittel.

Motorisch innerviert der 9. Hirnnerv die Pharynxmuskulatur (Schlundheber und Konstriktoren), den Musculus levator veli palatini, den Musculus palatoglossus und den Musculus uvulae.

Nervus glossopharyngeus: hinteres Zungendrittel und Karotissinus
Links die Zunge von oben mit dem vom N. glossopharyngeus versorgten hinteren Drittel, rechts die Karotisgabel mit Sinus caroticus und Glomus caroticum.

Parasympathische Versorgung der Ohrspeicheldrüse

Der N. tympanicus (Jacobson-Nerv) bildet in der Paukenhöhle den Plexus tympanicus. Daraus geht der N. petrosus minor hervor, der zum Ganglion oticum unterhalb des Foramen ovale zieht. Nach der Umschaltung schließen sich die Fasern dem N. auriculotemporalis aus V3 an und erreichen so die Glandula parotidea. Obwohl der N. facialis mitten durch die Ohrspeicheldrüse zieht, stammt ihre sekretorische Versorgung also vom IX. Hirnnerv, ein beliebtes Prüfungsthema.

Sinus caroticus und Glomus caroticum

Der Ramus sinus carotici, auch Hering-Nerv genannt, leitet Informationen von zwei Messfühlern an der Karotisgabel: Barorezeptoren in der Wand des Sinus caroticus melden den Blutdruck, Chemorezeptoren im Glomus caroticum den Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalt sowie den pH-Wert des Blutes. Ziel ist der Nucleus tractus solitarii im Hirnstamm. Diese Verschaltung ist die Grundlage des Barorezeptorreflexes; sie erklärt, warum eine Karotissinusmassage den Herzschlag verlangsamen kann und warum Menschen mit einem überempfindlichen Karotissinus bei engem Hemdkragen ohnmächtig werden können.

Klinik

Isolierte Läsionen des IX. Hirnnervs sind selten. Meist ist er gemeinsam mit dem N. vagus und dem N. accessorius betroffen, etwa beim Foramen-jugulare-Syndrom (Vernet-Syndrom) durch Glomustumoren, Metastasen oder Schädelbasisfrakturen. Ein Ausfall zeigt sich durch einen abgeschwächten Würgereflex, eine Sensibilitäts- und Geschmacksstörung im hinteren Zungendrittel und leichte Schluckbeschwerden.

Der Würgereflex ist ein klassischer Hirnnervenreflex: Die Berührung der hinteren Rachenwand wird über den IX. Hirnnerv gemeldet, die Antwort erfolgt über den N. vagus. Bei der seltenen Glossopharyngeusneuralgie treten einschießende Schmerzen im Zungengrund, in der Gaumenmandel und im Ohr auf, typischerweise ausgelöst durch Schlucken, Gähnen oder Sprechen.

Lage an der Hirnbasis

Lage des Nervus glossopharyngeus an der Hirnbasis
Schematische Ansicht des Gehirns von unten mit Austrittsstellen der Hirnnerven I bis XII, hervorgehoben: Nervus glossopharyngeus (IX).

Häufige Fragen

Welche Aufgaben hat der Nervus glossopharyngeus?

Er vermittelt Geschmack und Sensibilität im hinteren Zungendrittel, versorgt Rachen und Paukenhöhle sensibel, innerviert den M. stylopharyngeus und Teile der Rachenmuskulatur, steuert die Ohrspeicheldrüse und leitet Signale aus Sinus und Glomus caroticum.

Welcher Nerv versorgt die Ohrspeicheldrüse?

Sekretorisch der N. glossopharyngeus über N. tympanicus, N. petrosus minor und Ganglion oticum. Der N. facialis zieht nur durch die Drüse hindurch.

Welche Hirnnerven sind am Würgereflex beteiligt?

Der N. glossopharyngeus bildet den sensiblen, zuführenden Schenkel, der N. vagus den motorischen, wegführenden Schenkel.

Weiterführend: Nervus glossopharyngeus in der Wikipedia. Standardwerke: Trepel, Neuroanatomie; Schünke et al., Prometheus LernAtlas der Anatomie, Kopf, Hals und Neuroanatomie.