Gehirnnerven

Der 12. Hirnnerv - Nervus hypoglossus

Der Nervus hypoglossus (XII. Hirnnerv) ist der motorische Nerv der Zunge. Er verlässt den Schädel durch den Canalis n. hypoglossi; bei einer einseitigen Lähmung weicht die herausgestreckte Zunge zur kranken Seite ab.

Zuletzt aktualisiert am 2. Oktober 2026

Steckbrief: Nervus hypoglossus

Nummer
XII. Hirnnerv (12. Hirnnerv)
Deutscher Name
Unterzungennerv
Faserqualität
motorisch (somatoefferent)
Kerngebiet
Nucleus n. hypoglossi in der Medulla oblongata
Austritt am Gehirn
zwischen Pyramide und Olive (Sulcus anterolateralis)
Durchtritt Schädelbasis
Canalis n. hypoglossi
Versorgt
innere und äußere Zungenmuskulatur außer M. palatoglossus
Ausfallzeichen
Zungenabweichung zur kranken Seite, Atrophie, Faszikulationen, verwaschene Sprache
Klinische Prüfung
Zunge herausstrecken und seitlich bewegen

Verlauf und Funktion

Der Nervus hypoglossus läuft durch den Canalis nervi hypoglossus. Er verläuft anschließend zwischen der Arteria carotis interna und der Vena jugularis interna nach kaudal. Anschließend gelangt er auf dem Musculus hyoglossus zur Zunge und innerviert diese motorisch.

Nervus hypoglossus: Verlauf zur Zunge und Zungenabweichung
Links der Verlauf des N. hypoglossus zwischen A. carotis interna und V. jugularis interna zur Zunge, rechts die Abweichung der Zunge zur gelähmten Seite.

Verlauf und Ansa cervicalis

Nach dem Austritt zwischen Pyramide und Olive zieht der Nerv mit mehreren Wurzelfäden zum Canalis n. hypoglossi oberhalb der Hinterhauptskondylen. Am Hals bildet er einen nach unten offenen Bogen, kreuzt die A. carotis externa in Höhe des Abgangs der A. lingualis und gelangt im Trigonum caroticum nach vorn. Auf dem M. hyoglossus zieht er unterhalb des N. lingualis und des Ausführungsgangs der Unterkieferspeicheldrüse in die Zunge.

Fasern aus dem ersten Halssegment (C1) legen sich dem Nerv ein Stück weit an. Sie verlassen ihn als Radix superior der Ansa cervicalis zur unteren Zungenbeinmuskulatur oder ziehen direkt zum M. geniohyoideus und M. thyrohyoideus. Diese Fasern gehören funktionell zum Halsgeflecht und nicht zum XII. Hirnnerv.

Funktion: Zunge beim Kauen, Schlucken und Sprechen

Die äußeren Zungenmuskeln verändern die Lage der Zunge: Der M. genioglossus streckt sie heraus, der M. hyoglossus zieht sie nach hinten unten und der M. styloglossus nach hinten oben. Die inneren Zungenmuskeln verändern ihre Form, etwa beim Formen von Lauten. Einzig der M. palatoglossus wird nicht vom Hypoglossus, sondern über den Plexus pharyngeus von IX. und X. Hirnnerv versorgt.

Klinik: Hypoglossusparese

Bei einer peripheren Lähmung weicht die Zunge beim Herausstrecken zur kranken Seite ab, weil der M. genioglossus der gesunden Seite die Zunge ungebremst zur Gegenseite schiebt. Im Verlauf werden die betroffene Zungenhälfte schmaler (Atrophie) und feine Muskelzuckungen (Faszikulationen) sichtbar. Ursachen sind Tumoren der Schädelbasis, eine Dissektion der A. carotis interna oder Operationen am Hals, zum Beispiel an der Halsschlagader.

Bei einer zentralen Lähmung, etwa nach einem Schlaganfall, weicht die Zunge zur Gegenseite der Hirnschädigung ab, und es fehlt die Atrophie. Sind beide Nerven oder Kerngebiete betroffen, wie bei der Bulbärparalyse im Rahmen einer amyotrophen Lateralsklerose, kommt es zu verwaschener Sprache und Schluckstörungen.

Lage an der Hirnbasis

Lage des Nervus hypoglossus an der Hirnbasis
Schematische Ansicht des Gehirns von unten mit Austrittsstellen der Hirnnerven I bis XII, hervorgehoben: Nervus hypoglossus (XII).

Häufige Fragen

Was innerviert der Nervus hypoglossus?

Die gesamte innere und äußere Zungenmuskulatur mit Ausnahme des M. palatoglossus.

Zu welcher Seite weicht die Zunge bei einer Hypoglossusparese ab?

Bei einer peripheren Lähmung zur kranken Seite, weil der M. genioglossus der gesunden Seite überwiegt. Bei einer zentralen Lähmung weicht sie zur Gegenseite der Hirnschädigung ab.

Durch welche Öffnung verlässt der 12. Hirnnerv den Schädel?

Durch den Canalis n. hypoglossi oberhalb der Hinterhauptskondylen.

Weiterführend: Nervus hypoglossus in der Wikipedia. Standardwerke: Trepel, Neuroanatomie; Schünke et al., Prometheus LernAtlas der Anatomie, Kopf, Hals und Neuroanatomie.