Der 4. Hirnnerv - Nervus trochlearis
Der Nervus trochlearis (IV. Hirnnerv) versorgt nur einen Muskel, den M. obliquus superior. Er ist der dünnste Hirnnerv, hat den längsten Verlauf innerhalb des Schädels und tritt als einziger Hirnnerv an der Rückseite des Hirnstamms aus.
Steckbrief: Nervus trochlearis
- Nummer
- IV. Hirnnerv (4. Hirnnerv)
- Deutscher Name
- Augenrollnerv
- Faserqualität
- motorisch (somatoefferent)
- Kerngebiet
- Nucleus n. trochlearis im Mittelhirn (Höhe Colliculus inferior)
- Austritt am Gehirn
- dorsal unterhalb der Colliculi inferiores, nach Kreuzung zur Gegenseite
- Durchtritt Schädelbasis
- Fissura orbitalis superior (außerhalb des Anulus tendineus)
- Versorgt
- M. obliquus superior
- Ausfallzeichen
- vertikale Doppelbilder beim Blick nach unten, Kopfneigung zur gesunden Seite
- Klinische Prüfung
- Blick nach innen unten, Bielschowsky-Kopfneigetest
Verlauf und Funktion
Der Nervus trochlearis versorgt den Musculus obliquus superior, ein äußerer Augenmuskel. Der Muskel besitzt eine Umlenkung, die Trochlea. Er zieht das Auge nach außen/unten.
Der N. trochlearis verläuft durch die Fissura orbitalis superior zum M. obliquus superior. Zuvor hat er einen langen intraduralen Verlauf und entspring dorsal des Hirnstammes. Kein anderer Hirnnerv entspringt dorsal.
Eine weitere Besonderheit ist, dass der Nerv sich in der Nähe des Kernes überkreuzt. Dies sollte man auch bei einer Läsion beachten. Vor der Überkreuzung erscheinen die Symptome ipsilateral, nach der Kreuzung kontralateral. Symptome, wie Doppelbilder oder Höherstehen des Auges können bei einer Schädigung des Nervens auftreten.
Drei Besonderheiten des Trochlearis
Der N. trochlearis ist in mehrfacher Hinsicht einzigartig: Er ist mit nur wenigen tausend Fasern der dünnste Hirnnerv, er hat den längsten Verlauf innerhalb des Schädels, und er tritt als einziger Hirnnerv an der Rückseite des Hirnstamms aus. Seine Fasern kreuzen bereits im Velum medullare superius zur Gegenseite. Anschließend zieht der Nerv um den Hirnschenkel herum nach vorn, verläuft in der seitlichen Wand des Sinus cavernosus und tritt außerhalb des Anulus tendineus communis durch die Fissura orbitalis superior in die Augenhöhle.
Für die Seitenzuordnung bedeutet das konkret: Eine Schädigung des Trochleariskerns führt zu einer Lähmung des M. obliquus superior auf der Gegenseite, eine Schädigung des Nervs nach seinem Austritt dagegen zu einer Lähmung auf derselben Seite.
Funktion des M. obliquus superior
Die Sehne des M. obliquus superior läuft durch eine knorpelige Rolle am inneren oberen Rand der Augenhöhle, die Trochlea, und setzt hinten oben am Augapfel an. Dadurch senkt der Muskel das Auge, am stärksten, wenn es nach innen gewendet ist, und rollt es nach innen (Inzyklorotation). Diese Bewegung braucht man zum Beispiel beim Treppabsteigen und beim Lesen.
Klinik: Trochlearisparese
Typisch sind schräg übereinanderstehende Doppelbilder, die beim Blick nach unten innen zunehmen. Betroffene neigen den Kopf zur gesunden Seite, um die Doppelbilder auszugleichen. Beim Bielschowsky-Kopfneigetest wird der Kopf zur kranken Seite geneigt: Das betroffene Auge weicht dann deutlich nach oben ab.
Wegen seines langen und dünnen Verlaufs ist der Nerv bei Schädel-Hirn-Traumata besonders gefährdet. Daneben gibt es angeborene Paresen, die sich oft erst im Erwachsenenalter bemerkbar machen, sowie Durchblutungsstörungen, etwa bei Diabetes mellitus.
Lage an der Hirnbasis
Häufige Fragen
Welchen Muskel versorgt der Nervus trochlearis?
Ausschließlich den M. obliquus superior. Er senkt das Auge vor allem in Adduktion und rollt es nach innen.
Was ist das Besondere am 4. Hirnnerv?
Er ist der dünnste Hirnnerv, hat den längsten intrakraniellen Verlauf, kreuzt vollständig zur Gegenseite und tritt als einziger Hirnnerv dorsal aus dem Hirnstamm aus.
Was zeigt der Bielschowsky-Test?
Bei einer Trochlearisparese weicht das betroffene Auge nach oben ab, wenn der Kopf zur Seite der Lähmung geneigt wird. Der Test hilft, die Parese von anderen Ursachen vertikaler Doppelbilder zu unterscheiden.
Weiterführend: Nervus trochlearis in der Wikipedia. Standardwerke: Trepel, Neuroanatomie; Schünke et al., Prometheus LernAtlas der Anatomie, Kopf, Hals und Neuroanatomie.