Gehirnnerven

Der 5. Hirnnerv - Nervus trigeminus

Der Nervus trigeminus (V. Hirnnerv, Drillingsnerv) ist der dickste Hirnnerv. Mit seinen drei Ästen V1, V2 und V3 versorgt er die Haut des Gesichts, Mund- und Nasenhöhle sensibel und innerviert über V3 die Kaumuskulatur.

Zuletzt aktualisiert am 2. Oktober 2026

Steckbrief: Nervus trigeminus

Nummer
V. Hirnnerv (5. Hirnnerv)
Deutscher Name
Drillingsnerv
Faserqualität
gemischt: sensibel (somatoafferent) und motorisch (branchiomotorisch)
Kerngebiet
Nucleus principalis, spinalis, mesencephalicus und motorius
Austritt am Gehirn
seitlich am Pons
Durchtritt Schädelbasis
V1 Fissura orbitalis superior, V2 Foramen rotundum, V3 Foramen ovale
Versorgt
Sensibilität von Gesicht, Hornhaut, Mund, Nase, Zähnen und Dura; Kaumuskeln, M. tensor tympani, M. tensor veli palatini
Ausfallzeichen
Taubheit im Gesicht, fehlender Kornealreflex, Kauschwäche
Klinische Prüfung
Sensibilität der drei Äste, Kornealreflex, Masseterreflex, Kieferschluss

Verlauf und Funktion

Der Nervus trigeminus teilt sich kurz nach dem Austritt aus dem Hirnstamm im Ganglion trigeminale in drei Äste auf: In den Nervus opthalmicus (V-1), den Nervus maxillaris (V-2) und den Nervus mandibularis (V-3).

Der Nervus opthalmicus gibt die folgenden Nerven ab: Nervus frontalis (Stirn), nasociliaris (Nn. nasociliares Augenmuskeln), lacrimalis (Tränendrüse, Anastomose mit N. zygomaticus).

Vom Nervus maxillaris gehen die Nerven Nervus zygomaticus, infraorbitalis (N. alveolaris superior) und R. ganglionare ab.

Der Nervus mandibularis enthält die Nerven N. auriculotemporalis (Trommelfell), N. lingualis, N. alveolaris inferior und N. buccalis.

Nervus trigeminus: Versorgungsgebiete V1, V2, V3 und Druckpunkte
Gesicht von vorn: links die sensiblen Versorgungsgebiete der drei Trigeminusäste, rechts die Austrittspunkte am Foramen supraorbitale, infraorbitale und mentale.

Im Gegensatz zu den anderen Teilen des Nervus trigeminus besitzt der Nervus mandibularis noch folgende motorische Abgänge: Den Nervus massetericus, die Nn. temporales profundi, die Nn. pterygoidei und die Nn. musculi tensores tympani/veli palatini. Somit werden die Kaumuskulatur und die Spannmuskeln des Trommelfells und des weichen Gaumens innerviert.

Der Nervus opthalmicus läuft durch die Fissura orbitalis superior, der Nervus maxillaris durch das Foramen rotundum und der Nervus mandibularis durch das Foramen ovale.

Klinisch relevant sind die Druckpunkte, welche Aufschluss auf eine Beschädigung eines Nervens/Sensibilitätsstörung und einer Sinusitis geben können: Foramen supraorbitale (V-1), Foramen infraorbitale (V-2) und Foramen mentale (V-3).

Größter Hirnnerv mit vier Kerngebieten

Der N. trigeminus tritt mit einer großen sensiblen Wurzel (Portio major) und einer kleinen motorischen Wurzel (Portio minor) seitlich aus dem Pons aus. Das Ganglion trigeminale, auch Ganglion Gasseri genannt, liegt in einer Duratasche an der Spitze der Felsenbeinpyramide, dem Cavum trigeminale (Meckel-Raum). Es enthält die Zellkörper der sensiblen Neurone, vergleichbar einem Spinalganglion.

Im Hirnstamm gehören vier Kerne zum Trigeminus: der Nucleus principalis für Berührung und Druck, der Nucleus spinalis für Schmerz und Temperatur, der Nucleus mesencephalicus für die Propriozeption der Kaumuskeln und der Nucleus motorius für die Kaumuskulatur.

Versorgungsgebiete der drei Äste

Der N. ophthalmicus (V1), der in der Literatur auch als N. opthalmicus geschrieben wird, versorgt Stirn, Oberlid, Nasenrücken und Nasenspitze sowie die Hornhaut des Auges. Der N. maxillaris (V2) versorgt Unterlid, Wange, Nasenflügel und Oberlippe, außerdem die Zähne des Oberkiefers, den Gaumen und die Schleimhaut der Kieferhöhle. Der N. mandibularis (V3) versorgt Unterlippe, Kinn, die Region vor dem Ohr bis zur Schläfe, die Zähne des Unterkiefers und die vorderen zwei Drittel der Zunge. Dort leitet er allerdings nur Berührung, Schmerz und Temperatur; den Geschmack übernimmt die Chorda tympani des N. facialis.

Klinik: Trigeminusneuralgie und Reflexe

Die Trigeminusneuralgie verursacht blitzartige, stärkste Schmerzattacken von Sekunden Dauer, meist im Gebiet von V2 oder V3. Ausgelöst werden sie durch alltägliche Reize wie Kauen, Sprechen, Zähneputzen oder einen Luftzug. Häufig liegt ein Kontakt zwischen einem Blutgefäß und dem Nerv an seiner Austrittszone am Pons zugrunde. Medikament der ersten Wahl ist Carbamazepin; bei unzureichender Wirkung kommt eine mikrovaskuläre Dekompression in Betracht.

Der Kornealreflex prüft den Trigeminus als zuführenden Schenkel: Bei Berührung der Hornhaut (V1) schließen sich über den N. facialis beide Augen. Beim Herpes zoster ophthalmicus ist V1 betroffen. Bläschen an der Nasenspitze, das Hutchinson-Zeichen, deuten auf eine Beteiligung des Auges hin, weil der N. nasociliaris sowohl die Nasenspitze als auch den Augapfel versorgt.

Lage an der Hirnbasis

Lage des Nervus trigeminus an der Hirnbasis
Schematische Ansicht des Gehirns von unten mit Austrittsstellen der Hirnnerven I bis XII, hervorgehoben: Nervus trigeminus (V).

Häufige Fragen

Welche drei Äste hat der Nervus trigeminus?

Den N. ophthalmicus (V1), den N. maxillaris (V2) und den N. mandibularis (V3). Nur V3 führt zusätzlich motorische Fasern für die Kaumuskulatur.

Wo liegen die Trigeminusdruckpunkte?

Am Foramen supraorbitale (V1) am oberen Augenhöhlenrand, am Foramen infraorbitale (V2) unterhalb des Auges und am Foramen mentale (V3) am Unterkiefer.

Was ist eine Trigeminusneuralgie?

Eine Erkrankung mit blitzartigen, sehr starken Gesichtsschmerzen im Versorgungsgebiet eines oder mehrerer Trigeminusäste, oft ausgelöst durch Kauen, Sprechen oder Berührung.

Weiterführend: Nervus trigeminus in der Wikipedia. Standardwerke: Trepel, Neuroanatomie; Schünke et al., Prometheus LernAtlas der Anatomie, Kopf, Hals und Neuroanatomie.