Gehirnnerven

Der 8. Hirnnerv - Nervus vestibulocochlearis

Der Nervus vestibulocochlearis (VIII. Hirnnerv) leitet Informationen aus dem Innenohr zum Hirnstamm: Die Pars cochlearis dient dem Hören, die Pars vestibularis dem Gleichgewicht. Er tritt zusammen mit dem N. facialis durch den inneren Gehörgang.

Zuletzt aktualisiert am 2. Oktober 2026

Steckbrief: Nervus vestibulocochlearis

Nummer
VIII. Hirnnerv (8. Hirnnerv)
Deutscher Name
Hör- und Gleichgewichtsnerv
Faserqualität
sensorisch (speziell somatoafferent)
Kerngebiet
Nuclei cochleares und Nuclei vestibulares in der Rautengrube
Austritt am Gehirn
Kleinhirnbrückenwinkel
Durchtritt Schädelbasis
Porus und Meatus acusticus internus
Versorgt
Corti-Organ der Cochlea, Bogengänge, Utriculus und Sacculus
Ausfallzeichen
Hörminderung, Tinnitus, Drehschwindel, Nystagmus
Klinische Prüfung
Flüstersprache, Weber- und Rinne-Versuch, Kopfimpulstest

Verlauf und Funktion

Der Nervus vestibulocochlearis setzt sich aus zwei Radices zusammen: Der Raidx vestibularis ist für den Gleichgewichtssinn zuständig, der Radix cochlearis ist für den Hörsinn zuständig. Zwischen dem Truncus cerebri und dem Cerebellum zieht er zusammen mit dem Nervus facialis in den Meatus acusticus internus.

Letztendlich teilt sich der Nerv in beide Teile (N. vestibularis und cochlearis) und bildet in der Cochlea und Organon vestibulare jeweils ein Ganglion aus. Bei Ausfällen kommt es zu Schwindel bzw. Hörstörungen.

Nervus vestibulocochlearis: Innenohr mit Pars vestibularis und Pars cochlearis
Schema des Innenohrs mit Bogengängen, Vestibulum und Cochlea; beide Nervenanteile vereinigen sich im inneren Gehörgang zum VIII. Hirnnerv.

Zwei Nerven in einer Hülle

Die Pars cochlearis besteht aus den Fortsätzen bipolarer Nervenzellen im Ganglion spirale, das in der knöchernen Achse der Schnecke (Modiolus) liegt. Sie übernehmen die Signale der Haarzellen im Corti-Organ. Die Pars vestibularis hat ihre Zellkörper im Ganglion vestibulare am Grund des inneren Gehörgangs. Sie leitet Informationen aus den drei Bogengängen, die Drehbeschleunigungen registrieren, sowie aus Utriculus und Sacculus, die lineare Beschleunigung und die Schwerkraft messen.

Hörbahn und Gleichgewichtsbahn

Die Hörbahn verläuft über mehrere Stationen: von den Nuclei cochleares zum oberen Olivenkomplex, der für das Richtungshören wichtig ist, weiter über den Lemniscus lateralis zum Colliculus inferior und zum Corpus geniculatum mediale des Thalamus. Ziel ist die primäre Hörrinde in den Heschl-Querwindungen des Schläfenlappens. Weil die Fasern auf mehreren Ebenen zur Gegenseite kreuzen, führt eine einseitige Schädigung oberhalb der Hörkerne nicht zur Taubheit eines Ohres.

Die Vestibulariskerne sind eng mit den Augenmuskelkernen, dem Kleinhirn und dem Rückenmark verschaltet. Über den vestibulookulären Reflex bleibt der Blick bei Kopfbewegungen stabil, über vestibulospinale Bahnen wird die Körperhaltung angepasst.

Klinik: Schwerhörigkeit, Schwindel und Tumoren

Das Vestibularisschwannom, früher Akustikusneurinom genannt, ist ein gutartiger Tumor der Schwann-Zellen, meist der Pars vestibularis im inneren Gehörgang. Typische Frühzeichen sind eine einseitige, langsam zunehmende Hörminderung, Tinnitus und Gangunsicherheit. Wächst der Tumor in den Kleinhirnbrückenwinkel, kann er den N. facialis und den N. trigeminus beeinträchtigen.

Bei der Neuritis vestibularis kommt es zu plötzlichem, tagelang anhaltendem Drehschwindel mit Übelkeit und einem Nystagmus zur gesunden Seite, ohne Hörverlust. Beim Morbus Menière treten dagegen wiederkehrende Schwindelattacken zusammen mit Hörminderung, Tinnitus und Ohrdruck auf.

Untersuchung

Beim Weber-Versuch wird eine schwingende Stimmgabel auf den Scheitel gesetzt. Bei einer Schallleitungsstörung, etwa durch Ohrenschmalz oder eine Mittelohrentzündung, hört der Patient den Ton im kranken Ohr lauter, bei einer Schallempfindungsstörung im gesunden Ohr. Der Rinne-Versuch vergleicht Luft- und Knochenleitung. Für das Gleichgewichtsorgan sind der Kopfimpulstest nach Halmagyi und die Suche nach einem Nystagmus wichtig.

Lage an der Hirnbasis

Lage des Nervus vestibulocochlearis an der Hirnbasis
Schematische Ansicht des Gehirns von unten mit Austrittsstellen der Hirnnerven I bis XII, hervorgehoben: Nervus vestibulocochlearis (VIII).

Häufige Fragen

Aus welchen Anteilen besteht der Nervus vestibulocochlearis?

Aus der Pars cochlearis für das Hören und der Pars vestibularis für das Gleichgewicht. Beide vereinigen sich im inneren Gehörgang zu einem Nerv.

Was ist ein Akustikusneurinom?

Ein gutartiger Tumor der Schwann-Zellen des VIII. Hirnnervs, korrekt Vestibularisschwannom genannt. Er verursacht typischerweise einseitige Hörminderung, Tinnitus und Gangunsicherheit.

Wie unterscheidet der Weber-Versuch Hörstörungen?

Bei einer Schallleitungsstörung wird der Ton der Stimmgabel ins kranke Ohr lateralisiert, bei einer Schallempfindungsstörung ins gesunde Ohr.

Weiterführend: Nervus vestibulocochlearis in der Wikipedia. Standardwerke: Trepel, Neuroanatomie; Schünke et al., Prometheus LernAtlas der Anatomie, Kopf, Hals und Neuroanatomie.