Gehirnnerven

Der 3. Hirnnerv - Nervus oculomotorius

Der Nervus oculomotorius (III. Hirnnerv) steuert vier der sechs äußeren Augenmuskeln sowie den Lidheber und verengt über parasympathische Fasern die Pupille. Ein Ausfall zeigt sich durch Ptosis, weite Pupille und ein nach außen unten abweichendes Auge.

Zuletzt aktualisiert am 2. Oktober 2026

Steckbrief: Nervus oculomotorius

Nummer
III. Hirnnerv (3. Hirnnerv)
Deutscher Name
Augenbewegungsnerv, gemeinsamer Augenmuskelnerv
Faserqualität
motorisch (somatoefferent) und parasympathisch (viszeroefferent)
Kerngebiet
Nucleus n. oculomotorii und Edinger-Westphal-Kern im Mittelhirn
Austritt am Gehirn
Fossa interpeduncularis
Durchtritt Schädelbasis
Fissura orbitalis superior
Versorgt
Mm. recti superior, medialis, inferior, M. obliquus inferior, M. levator palpebrae superioris, M. sphincter pupillae, M. ciliaris
Ausfallzeichen
Ptosis, Mydriasis, Doppelbilder, Auge außen unten
Klinische Prüfung
Augenfolgebewegungen, Pupillen- und Konvergenzreaktion

Verlauf und Funktion

Der Nervus oculomotorius erreicht die Muskeln Mm. recti superior/medialis/inferior, M. obliquus inferior und M. levator palpebrae superioris motorisch durch die Fissura orbitalis superior.
Dies bedeutet, dass alle Augenbewegungen außer nach außen (N. abducens) und außen/unten (N. trochlearis) durch diesen Nerv gesteuert werden. Außerdem ist er für das Heben des Oberlides zuständig.

Visceroefferent versorgt der Nerv die Muskeln M. sphincter pupillae und M. ciliaris. Zum einen für die Verengung der Pupille zuständig zum anderen für die Linsenkrümmung (Akkomodation).
Bei einem Ausfall können unter anderem fehlende Akkomadation, Doppelbilder, Mydriasis (erweiterte Pupille) und Ptosis (Oberlid hängt) deutlich werden.

Clivuskanten Syndrom

Die Läsion mit ihren Anzeichen (erweiterte Pupille etc.) kann auch als Zeichen eines Clivuskanten Syndroms auftreten. Der Nervus oculomotorius verläuft lateral des Dorsum sellae. Durch einen erhöhten intrakraniellen Druck, kann der Hirnstamm auf den Nerven drücken.

Nervus oculomotorius: Augenmuskeln und Ausfallbild
Zugrichtungen der sechs äußeren Augenmuskeln am rechten Auge mit zuständigem Hirnnerv sowie das typische Bild einer Okulomotoriusparese mit Ptosis und weiter Pupille.

Verlauf vom Mittelhirn zur Augenhöhle

Der Nerv verlässt das Mittelhirn in der Fossa interpeduncularis und zieht zwischen A. cerebri posterior und A. superior cerebelli nach vorn. Anschließend verläuft er in der seitlichen Wand des Sinus cavernosus und gelangt durch die Fissura orbitalis superior innerhalb des Anulus tendineus communis in die Augenhöhle. Dort teilt er sich in einen Ramus superior für den M. rectus superior und den M. levator palpebrae superioris sowie einen Ramus inferior für den M. rectus medialis, den M. rectus inferior und den M. obliquus inferior.

Die parasympathischen Fasern stammen aus dem Edinger-Westphal-Kern (Nucleus accessorius n. oculomotorii). Sie werden im Ganglion ciliare umgeschaltet und erreichen als Nn. ciliares breves den M. sphincter pupillae und den M. ciliaris. Bei der Naheinstellung arbeiten sie mit dem motorischen Anteil zusammen: Die Augen konvergieren, die Pupillen werden eng und die Linse krümmt sich stärker (Akkommodation).

Klinik: Okulomotoriusparese erkennen

Bei einer kompletten Lähmung steht das betroffene Auge nach außen unten, weil der M. rectus lateralis (N. VI) und der M. obliquus superior (N. IV) ohne Gegenspieler bleiben. Hinzu kommen eine Ptosis, eine weite, lichtstarre Pupille und Doppelbilder, die allerdings oft erst beim Anheben des gelähmten Lides bemerkt werden.

Die parasympathischen Pupillenfasern liegen außen auf dem Nerv. Bei Kompression von außen werden sie deshalb früh geschädigt. Eine einseitig erweiterte Pupille kann so auf ein Aneurysma der A. communicans posterior oder eine Einklemmung des Schläfenlappens am Tentoriumrand hinweisen und ist ein neurologischer Notfall. Bei Durchblutungsstörungen des Nervs, etwa bei Diabetes mellitus, bleibt die Pupille dagegen häufig unbeeinträchtigt, weil vor allem die innen liegenden Fasern betroffen sind.

Untersuchung

Der Patient folgt mit den Augen einem Finger, der in einem H-förmigen Muster geführt wird. So lässt sich jeder Augenmuskel in seiner Hauptzugrichtung prüfen. Zusätzlich werden die direkte und indirekte Lichtreaktion der Pupillen sowie die Konvergenzreaktion beim Blick auf einen nahen Gegenstand getestet.

Lage an der Hirnbasis

Lage des Nervus oculomotorius an der Hirnbasis
Schematische Ansicht des Gehirns von unten mit Austrittsstellen der Hirnnerven I bis XII, hervorgehoben: Nervus oculomotorius (III).

Häufige Fragen

Welche Muskeln innerviert der Nervus oculomotorius?

Motorisch die Mm. recti superior, medialis und inferior, den M. obliquus inferior und den M. levator palpebrae superioris; parasympathisch den M. sphincter pupillae und den M. ciliaris.

Woran erkennt man eine Okulomotoriusparese?

An einem hängenden Oberlid (Ptosis), einer weiten, lichtstarren Pupille, Doppelbildern und einem Auge, das in Ruhe nach außen unten abweicht.

Warum ist eine einseitig weite Pupille ein Alarmzeichen?

Die Pupillenfasern liegen außen auf dem Nerv und werden bei Druck von außen zuerst geschädigt, etwa durch ein Aneurysma oder steigenden Hirndruck. Eine neu aufgetretene einseitige Mydriasis muss daher sofort abgeklärt werden.

Weiterführend: Nervus oculomotorius in der Wikipedia. Standardwerke: Trepel, Neuroanatomie; Schünke et al., Prometheus LernAtlas der Anatomie, Kopf, Hals und Neuroanatomie.